Kinder brauchen Herausforderungen

5-tägige Hüttentour rund um Königssee und Watzmann über den Schneibstein und das Steinerne Meer

Von Jochen Boekhoff

veröffentlicht im Berliner Bergsteiger (06/2013), Mitteilungsblatt Deutscher Alpenverein , Sektion Berlin e.V. (DAV-Berlin) (64. Jahrgang, Nr. 6, Nov./Dez. 2013)
Hier habe ich versucht, den Text und die Bilder für den Ausdruck auf DIN A4-Papier zu optimieren.

Jedes wandergeübte Kind – vielleicht ab 10, sicherlich ab 11 oder 12 Jahren – kann diese Tour gehen und sich zeigen, was es kann. Wenn es das nur will! Das macht klar: An erster Stelle steht nicht die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern der eigene Wille. Der Lohn sind hochalpine Bergerfahrung, tolle Hüttenerlebnisse und natürlich der Erfolg, es geschafft zu haben.

„Die Pubertät ist nicht als zeitweiliges Irresein zu betrachten, deren unerfreuliche Begleiterscheinungen schweren Herzens hingenommen werden müssen. Pubertierende sind zu echten Leistungen fähig, wenn man ihnen Themen anbietet, die ihrer Lebensphase entsprechen. Jugendliche wollen sich und ihre neu erwachsenden Kräfte ausprobieren. Sie suchen das Abenteuer und wollen wissen, was alles in ihnen steckt. Sie wollen ihre Grenzen testen und brauchen echte Herausforderungen wie Alpenexpeditionen, Kanutouren, das Bauen eines Wintergartens als Schülercafé etc. Die Jugendlichen lernen daraus, sich selbst einzuschätzen und sich in der Gesellschaft zu bewegen. Sie lernen selbständig zu sein und mit schwierigen Situationen umzugehen. Dabei entwickelt sich ein neuer Blick auf das Leben.“ (Aus dem Konzept von „PepperMont - Freie Sekundarschule für ganzheitliches Lernen“, Berlin-Prenzlauer Berg)


Tourenbeschreibung
Königssee-Schifffahrt
Tag 1:
Vom Parkplatz Königssee
zum Carl-von-Stahl-Haus
Steinbock
Tag 2:
Vom Carl-von-Stahl-Haus
zur Wasseralm
Murmeltier
Tag 3:
Von der Wasseralm
zum Kärlingerhaus
Alpensalamander
Tag 4:
Vom Kärlingerhaus
über das Riemannhaus
zur Ingolstädter Hütte
Ingolstädter Hütte
Tag 5:
Von der Ingolstädter Hütte
über die Wimbachgrieshütte
zurück zum Parkplatz
Praktische Informationen
Praktische
Informationen
Gipfelkreuz am Schneibstein
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Fazit
lebhafte Kinder Meine persönliche Erfahrung als Vater eines durchaus raumeinnehmenden, relativ lauten und ziemlich bewegungsorientierten Kindes ist, dass dem nicht mit einer Erziehung zu mehr Ruhe und Konzentration begegnet werden kann. Vielmehr muss zu der Zeit, die Max (12) in der Schule, vor dem Fernseher oder dem Computer, im Musikunterricht oder mit „chillen“ verbringt, ein Ausgleich geschaffen werden.

Zudem sind die Erfolge, die ein Kind erringt, häufig schulischer Art oder bestenfalls im – auch wieder sehr disziplinierten – sportlichen Bereich angesiedelt. Von sich selbst überrascht sein, was man körperlich geschafft hat, darf ein Kind heute jedoch nur noch selten.

Dem entgegengewirkt wird mitunter mit medizinischen Diagnosen und entsprechenden Medikationen. Diesen will ich – als sowohl medizinischer als auch pädagogischer Laie – keineswegs die Berechtigung absprechen. Aber sicherlich können große Herausforderungen, denen man sich stellt, in dieser Zeit einen ganz zentralen Baustein darstellen, um zum einen ohne medizinische Hilfe und fernab von jeder disziplinierenden Pädagogik zu lernen, mit sich und dem Leben klar zu kommen. Darüber hinaus geht aber noch viel mehr: In jedem Menschen, in jedem Kind steckt was Einzigartiges, was Großartiges. Und gemeisterte Herausforderungen wie die Berge decken diese oft zugeschüttete individuelle Großartigkeit mit ihrer Klarheit, mit ihrer Reinheit ein Stück weit wieder auf und helfen, dass sich jede dieser individuellen Persönlichkeiten ein kleines Stück freier entwickeln kann.
Natürlich ist es nicht jedes Kindes Sache, wandern und in die Berge zu gehen. Daher segeln manche Schulen, die die finanziellen Mittel dazu haben, mit ihrer 10. Klasse in die Karibik. Andere schlagen sich ohne Geld von Berlin bis zur Ostsee durch. Die Nächsten überqueren die Alpen mit dem Fahrrad. Wieder andere bieten ihren Schülern die Möglichkeit, einen Bauernhof zu bestellen. Das Prinzip ist immer gleich: Wenn der Reset-Knop des Verstandes mit Beginn der Pubertät noch einmal betätigt wird, sind andere Herausforderungen als Mathe und Geschichte wichtig, um den Boden für weiteres schulisches, gesellschaftliches und soziales Lernen zu bereiten.

Aus meiner eigenen Liebe zu den Bergen und aus diesen Überlegungen heraus habe ich bereits sehr früh angefangen, mit Max in die Berge zu gehen. Die Faustformel „100 Höhenmeter pro Lebensjahr“ hat sich da sehr schnell als zu eng herausgestellt. Er konnte bereits mit 6 Jahren deutlich mehr leisten, wenn man ihn entsprechend unterstützt hat (sehr kleiner Rucksack, mitunter auch diesen, an sehr steilen Stücken selbst ihn tragen, auf Pausenwünsche hören, etc.). Die Touren haben wir in Länge und Schwierigkeit kontinuierlich gesteigert, bis wir im Sommer 2012 erstmalig die fünftägige Tour rund um den Königssee gewandert sind. Und dort ist der Entschluss gereift, diese Tour auch mit anderen Kindern zu gehen.

So haben wir uns im Sommer 2013 mit zwei Mitschülerinnen (10 und 12) und einem Mitschüler (13) von Max zur selben Tour wie im Sommer 2012 aufgemacht. Heute kann ich sagen: Ich würde die Tour jederzeit wieder – auch wieder mit fremden Kindern – gehen. Wie „meine“ Kinder diese Herausforderung – auch ohne die langsame Heranführung und die intensive Vorerfahrung, die Max hatte – aufgegriffen und gemeistert haben, war so wunderbar, dass ich die Woche keinesfalls missen möchte. Ich konnte regelrecht die Kraft spüren, die ihnen diese Tour mitgegeben hat. Das machte sehr deutlich, wie wichtig es ist, Kinder so herauszufordern und ihnen solche Erlebnisse zu bieten.
Frust beim Wandern
Zu Beginn der Tour Außerdem ist eine so grob falsche Selbsteinschätzung vom Kind und dessen Eltern, dass die Tour abgebrochen werden müsste, bei dem „begrenzten Schwierigkeitsgrad“, den diese Tour darstellt, kaum vorstellbar. Sollte es dennoch passieren, gibt es notfalls bei jeder Tagesetappe mehrere gute Möglichkeiten, ins Tal abzusteigen und zum Auto zurückzukehren – meist mit dem Schiff –. Zudem sind sie in diesem Alter und in der Gruppe bereits so selbstständig, dass man nicht mehr dauernd „das Kindermädchen“ spielen muss. Das machte die Begleitung organisatorisch unproblematisch.

Aber: Mindestens einem in der Gruppe geht es immer irgendwie – körperlich, motivationsseitig, seelisch, sozial – schlecht. Das ist nicht nachhaltig. Jeder stößt schlicht irgendwann an seine Grenze. Genau darum geht es ja: Sie an ihre Grenzen zu führen und sie erleben zu lassen, das sie diese meistern können. Dennoch: Als Erwachsener musste ich damit umzugehen wissen und die Kinder bei der Überwindung der Schwierigkeiten begleiten. Darauf muss man vorbereitet sein, wenn man Kindern so eine Tour bietet!
Ist man jedoch bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, machen es einem die Berge so leicht! Denn was soll man tun, wenn ein Kind weint, als es zu trösten und dann weiterzuschicken. Jedem, auch jedem Kind dieses Alters ist klar, dass ein sofortiger Abbruch nicht möglich ist. Also heißt es: „Und jetzt weiter!“

Schließlich belohnt wurde alles mit vier überglücklichen, furchtbar ausgelassenen Kindern. Im weiteren Verlauf des ersten Abends kam zwar schnell große Erschöpfung hoch, aber schon am nächsten Morgen waren sie wieder die Größten und „stolz wie Oskar“. Und einzelne Eltern berichteten im Nachhinein, dass zu Hause erst einmal nur von der Bergetour erzählt wurde – in Dauerschleife. Und wenn man fertig war, fing es wieder von vorne an. Eine größere Bestätigung kann ich nicht bekommen!
So sehen Sieger aus!
Im Sommer 2014 bietet „PepperMont - Freie Sekundarschule für ganzheitliches Lernen“, Berlin-Prenzlauer Berg, eine „Herausforderungswoche“ an. Ich strebe an, dass die nächste Tour in diesem Zusammenhang stattfindet. Ich bin gespannt, welche weiteren Projekte entstehen werden.

Tourenbeschreibung
Königssee-Schifffahrt
Tag 1:
Vom Parkplatz Königssee
zum Carl-von-Stahl-Haus
Steinbock
Tag 2:
Vom Carl-von-Stahl-Haus
zur Wasseralm
Murmeltier
Tag 3:
Von der Wasseralm
zum Kärlingerhaus
Alpensalamander
Tag 4:
Vom Kärlingerhaus
über das Riemannhaus
zur Ingolstädter Hütte
Ingolstädter Hütte
Tag 5:
Von der Ingolstädter Hütte
über die Wimbachgrieshütte
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© 2013 by Jochen Boekhoff, Kreuzsteg 1, 13158 Berlin.
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